Freitag, August 31, 2007

heimat, das land oder auch nur der landstrich, in dem
man geboren ist oder bleibenden aufenthalt hat:
der got des himels, der mich von meines vaters hause
genomen hat, und von meiner heimat. 1 Mos. 24, 7;
in seiner heimath (Deutschland). ZINKGREF apophth.
1, 425; wie ich in mein heimat wider kommen bin.
SCHUPPIUS 760; es ist entweder faulheit oder
ungeschicklichkeit, oder aber eine schwere steuer,
die sie (die emigranten) aus ihrer heimath treibt.
MÖSER patr. phant. 1 (1798) 345; manche deutsche
flüchtlinge haben in der Schweiz eine zweite heimat
gefunden; familien ziehen über die see, um sich in
Amerika eine neue heimat zu gründen;
(aus: Das Deutsche Woerterbuch . J. und W. Grimm)

Mittwoch, August 29, 2007

Dienstag, August 28, 2007

Das Nibelungenlied ist ein Stueck hoefische Ritterdichtung
und wollte es sein . Doch hat es in diesem Kreise sein eigenes
Gepraege . Fuer das heutige Bewusstsein verbindet sich mit
seinem Namen die Vorstellung von etwas Uraltem, Vorzeitig-
Germanischem . Und dies ist insoweit berechtigt, als der Stoff
in vorchristlich-germanische Zeit zurueckreicht . Seinem Stoff
nach ordnet sich das Nibelungenlied der germanisch-heroischen
Dichtung zu; im heroischen Liede der Burgunden oder der
merowingischen Franken hat dieser seine erste Formung
gefunden, unverlierbar nicht nur im aeusseren Handlungsverlauf,
sondern auch in Chrarakter und Ethos der Gestalten bis in das
hoefische Epos hinein . Das germanische Heldenlied erwaechst
aus dem geschichtlichen Erlebnis der Voelkerwanderungszeit .
Doch ist heroische Dichtung nicht in Verse gesetze Geschichte,
nicht historisches Volkslied . Es geht ihr um die Gestalten, nicht
um die Ereignisse .
(aus: Helmut de Boor . Ueber das Nibelungenlied)

Freitag, August 24, 2007

Zur Bedeutung der Sprache heißt es schon im Tractatus:
Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner
Welt (5.6). In den Untersuchungen führt Wittgenstein eine
Gebrauchstheorie der Bedeutung ein, die weit über die
Abbildtheorie des Tractatus hinausgeht: Die Bedeutung
eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache (43). Den
Gebrauch der Worte deutet er in Spielen, nach der Art wie
die Kinder ihre Muttersprache erlernen. Derartige Spiele
nennt er Sprachspiele (7). Das Wort Sprachspiel soll
hervorheben, daß das Sprechen einer Sprache ein Teil
ist einer Tätigkeit, oder einer Lebensform (23). Denn:
Sich eine Sprache vorstellen heißt, sich eine Lebensform
vorstellen (19).
(aus: philosophische untersuchungen . tuhh)

Donnerstag, August 23, 2007

andrer art, als die eben geschilderten verwandtschaften zwischen
B und V sind die zwischen B und W, so nahe auch doppeltes V = W
dem einfachen V = lat. vau oder sl. vidil steht. das hoch- und
niederdeutsche V hat sich aber, wie wir sahen, dem F genähert,
dem W entfremdet. B und V schwanken auch in andern sprachen,
älteren wie neueren, z. b. im sanskrit kann für bâd lavare auch
gesagt werden vâd, und skr. van ferire, occidere entspricht der
im gr. φονος und unserm ban enthaltnen wurzel; im littauischen
steht für bebrus webrus, und bekannt ist, wie sonst in spanischer
schreibung B das V vertrat. die Byzantiner setzten Belisarius,
Bandali, Bandalarius anstatt Velisarius (Valisaharis), Vandali,
Vandalarius und viel dergleichen. aus Verona entsprang Bern.
In unserer sprache erscheint der wechsel zwischen B und W
(aus: Grimms Woerterbuch online )

Montag, August 20, 2007

Y : Man nannte dieses Zeichen den pythagoreischen Buchstaben,
weil seine Gestalt nach Pythagoras die Scheidung des menschlichen
Lebenswegs bezeichnet . Eine sehr feinsinnige Auslegung, die ihren
tieferen Grund nur darin haben konnte, dass jener griechische
Weltweise, der sich bekanntlich mit lauschendem Ohr in die
Geheimnisse harmoniegesetzlicher Aeusserungen in der Natur
versenkte, etwas von der bedeutungsvollen Beziehung des I und
seines auch in der griechischen Schrift gebraeuchlichen Vertikal-
zeichens in dem vorhin beruehrten Sinn gefuehlt haben musste .
Dort im I das Bild einer geschlossenen, hier in der Variante Y einer
zwiespaeltigen Ichheit .
(aus: Ein Gang zu den Quellen der Sprache . M. Koch 1912)

Donnerstag, August 16, 2007

Moderne, das bedeutet: Die Evangelien aendern sich . Die schlechten
und die guten Nachrichten sind nicht mehr fest an ihren Plaetzen .
Das Dekorum schwankt, bis es dahin kommt, dass das Gehoerige
und das Ungehoerige die Plaetze tauschen . Was nun noch Vorbild
sein kann, muss ermittelt werden, fortwaehrend von neuem . Die
Nachahmung dringt in alle Ritzen, ueberaufmerksam, den Erfolgen
anderer auf der Spur . Wirtschaftsteil, Sportteil, Kulturteil, Gesell-
schaftsteil, die Kursbuecher der Eifersucht . Die Gesellschaft ist die
Summe ihrer Wettbewerbe .
Die Kunst, so hiess es schon vor einem Jahrzehnt, verlaesst die
Galerie, sie geht aufs Land, sie geht zu den Leuten . Das sollte
sagen: Sie sucht das Freie und wuenscht sich einen anderen
Spielraum fuer das Glueck, das Unglueck zu unterbrechen . Die
Selbstanrufung der gluecklicheren Kraefte fragen nach Mitwissern,
nicht nach Eigentuemern . Sogar Werkform und Wertform stellen
sich zur Disposition, damit die Stimme der Kunst wieder ein reines
Ueberspringendes werden kann, ein Pfeil des Gluecks, erfahrbar in
der Sekunde, in der das Leben schneller ist als seine Auswertung .
(aus: Peter Sloterdjik . Der aesthetische Imperativ)

Dienstag, August 14, 2007

Montag, August 13, 2007

Homer hat gelebt . Er ist eine Dichterindividualitaet, und zwar
einer der groessten, die je gesungen haben . Er hat die Dichtungen
aber nicht aus blossen Sagenstoffen seines Volkes geschaffen,
sondern stand vor einem noch ungeordneten Komplex uralter
Volkspoesie, von der wir nicht wissen, ob er in Liedern, in
epischer Erzaehlung von gebundener Form, als blosse Legende
oder sonst irgendwie lebendig war . Wahrscheinlich lagen die
Elemente aller dieser Gattungen vor und draengten in ihrer
Zerstueckelung und in ihrem doch wieder einigenden Hinter-
grunde den immer harmonisch fuegenden Griechengeist zu
jenem Zusammenschluss, der den Gesamtblock der heutigen
Epen Ilias und Odyssee ergab .
(aus: Die homerische Dichtung . Thassilo von Scheffer)

Sonntag, August 12, 2007

An die Universitaet
Wer Interesse hegt an beiden rhetorischen Werken
Ciceros, des, wie er heisst, Vater der Latinitaet,
wer dananch trachtet, ein Briefchen genau nach den Regeln,
zu schreiben,
und mit Gedaechtniskunst sich zu befassen gedenkt,
strebe, wenn morgen der Kloeppel die achte Stunde verkuendet,
zu dem freundlichen Haus, das Konrad Celtis bewohnt

Durch diese in lateinischer Sprache verfaßten Verse tat der
"deutsche Erzhumanist" Konrad Celtis (1459-1508) die Themen
nebst Stunde und Ort seines akademischen Unterrichtes - wohl
fuer das Sommersemester des Jahres 1492 in Ingolstadt - den
Studenten kund und zu wissen . Die gewinnende Manier, vor
allem jedoch Inhalt und Form der Ankuendigung kennzeichnen
in mehrfacher Hinsicht die zeitgenoessische Lehrweise sowie
Erziehungs- und Bildungsziele des Humanismus .
Diese machtvolle geistige Stroemung wandte sich gegen das
vorrangig von dem Gedanken an Gott, Jenseits, Kirche
gepraegte Weltbild des Mittelalters und erhob den Menschen
samt dem Diesseits in den Mittelpunkt ihrer Weltanschauung .
(aus: Galle und Honig . Humanistenepigramme)

Samstag, August 11, 2007

Indem er die Kurve seines ihm eigentuemlichen Denkens verliess
und er in der geradlinigen Richtung der Tangente weiterdachte,
ist er gleichsam aus sich selbst herausgetreten . Er kehrt zu sich
wieder zurueck, wenn er zu seiner Intuition zurueckkehrt . Aus
diesem sich-selber-Verlieren und zu-sich-selber-Zurueckkehren
besteht die Zickzacklinie einer Lehre, die, wie man sagt, "sich
entwickelt", d.h. die sich in Wirklichkeit verliert, wiederfindet und
sich endlos selber korrigiert .
(aus: Henri Bergson . Denken und Schoepferisches Werden)

Freitag, August 10, 2007

Die Spuren jedoch, denen wir nachgehen, sind weit aelter:
und sie fuehren in eine terra ignota der Zeit . Denn geschichtlich
ueberliefert von diesem Kernraum der Sahara ist so gut wie
nichts . Herodot scheint einzig die Tubus im Tebesti zu kennen,
wenn er von den hoehlenbewohnenden Aithiopiern berichtet,
dem schnellfuessigsten Volk, von dem uns je etwas zu Ohren
gekommen ist; sie leben von Schlangen, Eidechsen und
aehnlichen Kriechtieren und haben eine Sprache, die ganz
anders ist als alle anderen: sie klingt wie das Schwirren der
Fledermaeuse .
(aus: Die fuenfte Welt . Raoul Schrott )

Donnerstag, August 09, 2007

Der religioese Gehalt der Bergengruenschen Novelle "Der Arzt von
Weißenhasel" tritt noch klarer hervor, wenn man ihn dem jenes
Werkes gegenueberstellt, das man sich gewoehnt hat als den Inbegriff
der deutschen klassischen Humanitaet anzusehen . Auch in der
Goetheschen "Iphigenie" wird aus dem Glauben heraus ein Wagnis
eingegangen . Aber dieser Glaube richtet sich gaenzlich auf den
Menschen, und das Wagnis wird unternommen im Vertrauen auf
die Kraft des Guten, dessen der Mensch faehig ist . Die Guete des
Menschen ist der Garant der goettlichen Macht, oder, umgekehrt
ausgedrueckt: das "Goettliche" bekundet sich im Menschen als
"reine Menschlichkeit" . Sie allein erloest aus dem Unheil der Welt .
Der Mensch muss nur der reinen Stimme gemaeß handeln . Es
bedarf keiner Fuegung . Die Welt wird heil, wenn die menschlichen
Gebrechen aufgehoben werden im Durchbruch zum Menschlich-
Guten . So ist die Heilung des Orest ein Sich-wieder-Finden im
Glauben an die Guete im menschlich-goettlichen Bereich . Die
Bekehrung des Thoas ist keine Umkehr, sondern nur die Befreiung
seines an sich edeln Wesens aus der Verstrickung in die Leidenschaft
der niederen Natur .
(aus: Wirkendes Wort . Essay Erich Hock)

Dienstag, August 07, 2007

Montag, August 06, 2007

Keine Dauer hat auch das, was wir Elemente nennen .
Zwei von ihnen sind schwer und werden vom eigenen
Gewicht in die Tiefe gezogen; und eben so viele streben
zur Hoehe, weil nichts sie hinabdrueckt . Obwohl sie alle
raeumlich getrennt sind, entsteht dennoch alles aus ihnen,
und alles faellt in sie zurueck . Aufgeloest, verduennt sich
Erde zu fluessigen Wassern; verfluechtigt, geht Feuchtigkeit
in Luft und Dampf ueber, und nimmt man ihr das Gewicht
so sprueht die Luft, aufs feinste zerstaeubt hoch empor
und wird zu Feuer .
(aus: Ovid, Metamorphosen)

Sonntag, August 05, 2007

Ich lernte George Grosz in Berlin im Jahre 1919 kennen, zu einer
Zeit, als die Ratten ueber die Strassen liefen, Schuesse an jeder
Ecke knallten und der verlorene Krieg die Menschen mit einer
sprudelnden Verzweiflung erfuellte, so wie man es vielleicht
niemals vorher in einem Volk gesehen hat. In den ueberfuellten
Kaffeehaeusern unterhielten sich die illegalen Kokainhaendler
mit Dichtern, bis die grosse Grippe-Epidemie vielen, die sich
gefreut hatten, den Krieg ueberlebt zu haben, ein unerwartetes
Valet beibrachte . In dem Berlin dieser Zeit war der Tod mit allen
schlechten Instinkten garniert, und die Ratten ersetzten das
Symbol des deutschen Adlers, der auf den Schlachtfeldern
zerbrochen war . George Grosz hatte seine Sinne fuer die
sozialen Unterschiede in Stolp in Pommern geschaerft, wo er
in einem Offizierskasino aufwuchs, das seine Eltern bewirtschafteten .
Nie in seinem Leben vergass er die Arroganz der herrschenden Klasse .
(aus: Huelsenbeck . Phantastische Gebete . 1960 )

Mittwoch, August 01, 2007

go, ga, ge, gi, gu +++ vgl. die Eroerterung ueber die
Gutturalen (Kehllaute) und die betr. Grundwurzeln) .
Waehrend die Grundwurzeln og, ag u.s.f. "da ist
kraeftiges Hervortreten (des Gebirges, Berges, Felsen,
Bodens) bedeuteten, z.B. og (Oog bei Nordseeinseln =
da ist oben heraustretendes), ag und eg (in Agge und
Egge = da ist hervortretendes Gebirge), erscheinen die
Negativwurzeln go, ga, ge, gi, gu
(aus: Jahrbuch des Vereins fuer Orts- und Heimatskunde
in der Grafschaft Mark / Witten . 1907)