Donnerstag, Juni 28, 2007

Im Jahre 1444 oder anfangs 1445 nach Mainz zurueckgekehrt,
kam GUTENBERG auf den Gedanken, bewegliche Typen herzu-
stellen, die er anfangs aus Holz schnitt, dann aus Matrizen
goss . Um das Capital zu diesen kostspieligen Versuchen zu
erhalten, verband er sich 1450 mit dem reichen Mainzer Buerger
JOHANN FUST und begann mit dessen Unterstuetzung ein
grosses und gewinnversprechendes Werk: den Druck der
42zeiligen Bibel mit von ihm gegossenen Lettern im Jahre 1452 .
(aus: Schriftzeichen und Alphabete . Carl Faulmann)

Mittwoch, Juni 27, 2007

gumb : beule
isduoamat : ausdenken
smars : gestank
uoazuoal : eiche
kaugurs : huegel
daugedal : vielerlei
celniek : kniestiefel
barzdesskust : rasieren
apraganuoat : bezaubern

(kurisch-deutsches-woerterbuch)

Sonntag, Juni 24, 2007

Der Weg, der von den klassischen Sprachen zu den modernen
Wissenschaften fuehrt, ist heute noch erkennbar . Koennen wir
den Ort oder locus im Allgemeinen - den archaischen, heidnischen
pagus, kultivierte Rechtecke, deren Zuschnitt als zufaellig wirkende
Schachbrett der von der primitiven und modernen Landwirtschaft
geformten Landschaft auf den Boden zeichnet; den antiken hortus,
Hof des Hauses oder Gehoefts, Privat- oder Familiengarten,
haeuslicher oder oeffentlicher Garten; die platonische chora, die
im Timaios ungluecklich uebersetzt wird als Platz, Drucktraeger,
Wachs, in das der Sinn eingepraegt ist, als Matrix, Grundmasse,
Gefaess, Amme ... (M. Serres . Atlas)

Donnerstag, Juni 21, 2007

Mittwoch, Juni 20, 2007

ich gruesse dich ich kratze dem sonnengott die fratze
der plumbbob und das ueberall knallt schwerfeldreich
mit ultraschall benzinzumut auf weisse heisse sternenglut
wurzeln treiben wolken ziehen nah wie ewig weit
und feuer gluehn in ewigkeit heraus den bruderstreit
atome spalten funken spruehen eisen galle holz und blut
zick gleich zack der quantensprung auf ebbe folgt die flut
gut und glut und schlecht verschnuert treibt eine nadel
ihre fragen traegt ihre sprache wort im intervallall fort
den pfeil der bohnenstange auf den kompost weltfeldrand
unten oben obendrueber biegt sie sich die ichbindubisthand
jetzt vertikal der horizont zum rechten winkel nieder sinkt
das wie mal pi die erdfrequenz mit schuhmanns wellen
lieder singt refined perception erde :: wachse wirke werde

Dienstag, Juni 19, 2007

Das Deutsche fuehlt sich rund an, das Franzoesische wird mehr
von der Zungenspitze aufgenommen . Es siedelt sich hoeher im
Koerper an als das Deutsche, und wie Rimbaud den Buchstaben
Farben gab, kann man den Sprachen welche geben: das Deutsche
ist gruen und geht bis zum dunklen Violett unter einem kraeftigen,
bestimmten Licht, das Franzoesische ist orange, eine Sprache des
Nachmittags, unter einem langandauernden warmen Licht -
und tatsaechlich sind geographisch die Lichtverhaeltnisse nicht
diesselben, woher die Unterschiede bei den Gemaelden ruehren,
denn die Sprachen tragen die Beleuchtung der Landschaften in sich .
(aus: G.A. Goldschmidt . Der Stoff des Schreibens)

Montag, Juni 18, 2007

Sofern die Begegnung mich auseinandersetzt, steht die Wahrheit
über mich zur Disposition dergestalt, daß ich darin im Spiel der
Sprache zwischen uns als ich entworfen werde. Die Wahrheit über
mich ist strittig (aber auch spielerisch). Im Streit und Spiel werde
ich in Wahrheit, wer ich bin. Du rufst mich hervor, du stiftest
mich, du setzt mich in mein ich ein, nicht weil du mehr über mich
weißt als ich selber, sondern weil deine Andersheit mich trifft und
mich nicht mehr zu Ruhe kommen läßt.
http://home.tiscali.de/artefact/kaumstan/kaums06h.html
Das Morphem ist das kleinste Sprachelement, das noch eine
Bedeutung traegt . Es laesst sich nicht weiter zerlegen, ohne
dass jede Bedeutung verlorgen geht . Ohr, klein sind Morpheme;
Ohrmuschel ist ein Begriff und besteht aus zwei Morphemen,
Ohr und Muschel . Zerlegen laesst sich ein Morphem in
Phoneme: in Lauteinheiten . Das Phonem ist die kleinste,
potentiell bedeutungsunterscheidende Lauteinheit . Das
Morphem TAG besteht aus drei Phonemen, deren Auswechslung
den Sinn veraenderte: Hag, Tick, Tal
Woerter (Lexeme) vertreten nicht die Dinge selbst . Vielmehr
vertreten sie die Ordnung, die unser Geist den Dingen gibt .
(aus: D. E. Zimmer . So kommt der Mensch zur Sprache)

Samstag, Juni 16, 2007

Die deutsche Sprache war noch nie so gut in Form wie heute.
Gar keine Frage! Das Deutsche hatte noch nie einen so großen
Wortschatz. Und wir haben heute im Bereich der Syntax
wahnsinnig feine Differenzierungsmöglichkeiten – viel größere
etwa als zur Zeit der Klassik. Außerdem hat es noch nie so
vielfältige Verwendungsmöglichkeiten des Deutschen gegeben.
Wir haben eine ausgebaute Wissenschaftssprache, eine ausgebaute
Literatursprache, eine ausgebaute Mediensprache. Sie können
hingucken, wohin Sie wollen: An unserer Sprache liegt es nicht,
wenn wir nicht gut sprechen. Sie gibt uns alle Möglichkeiten –
und die waren noch nie so vielfältig wie heute.
(aus: www.die-macht-der-sprache.de . P. Eisenberg Interview)

Freitag, Juni 15, 2007

Shakespeare hat eine besondere Gabe, das Naerrische
auszudruecken, Empfindungen und Gedanken zu malen,
dergleichen man kurz vor dem Einschlafen oder im leichten
Fieber hat . Mir ist alsdann schon oft ein Mann wie eine
Einmaleins-Tafel vorgekommen und die Ewigkeit wie ein
Buecherschrank . (aus: Lichtenberg . Aphorismen)

Donnerstag, Juni 14, 2007


Sich bewegen heisst leben, sich in Worte fassen heisst ueberleben .
Nichts im Leben ist weniger wirklich, weil es gut beschrieben wurde .
(Buch der Unruhe . Pessoa)

Mittwoch, Juni 13, 2007

In Japan gilt folgende Ueberlieferung als Stueck authentischer
Geschichtsschreibung: Als Ota Dokan, der grosse Erbauer des
kaiserlichen Palastes in Tokio, von einem Speer durchbohrt
wurde, begleitete sein Moerder - im Wissen um die poetische
Ader des Opfers - seinen Speerwurf mit dem Zweizeiler:

Oh, wie in Momenten wie diesen
Unser Herz das Licht des Lebens neidet.

Daraufhin der sterbende Held, von der toedlichen Wunde in
seiner Seite nicht im Geringsten entmutigt, die Verse ergaenzte:

Wenn es nicht in friedlichen Stunden
Gelernt hat, das Leben licht zu sehen.

(aus: Bushido . The Soul of Japan . 1899 . Inazo Nitobe)

Dienstag, Juni 12, 2007

Wo Form ist, ist immer auch Gehalt, ist immer auch Stoff .
Der Dichter braucht sich also durchaus nicht um Stoff, ja
nicht einmal um Gehalt zu kuemmern; er wende sich allein
der Form zu; durch das, was er hier erreicht, erreicht er alles .
Moege das paradox toenen; es gab eine Zeit, wo ich es selber
nicht annehmen wollte; in der Erfahrung, aus der Naehe
gesehen offenbart es sich eben als etwas ganz anderes, als
es zuerst erschien, durchaus nicht als eine Verminderung
des Geistes, des Werts, des eigentlichen Lebens, -
im Gegenteil . (aus: Ludwig Hohl . Die Notizen . 1984)

Montag, Juni 11, 2007

Eine Tuer sagt man bestehe aus fuenf Elementen .
Diese seien die Tuer selbst als die Erde .
Die Schwelle das ewige Meer das Wasser .
Schloss und Tuerklinke geben den Aspekt Feuer wieder
und der Tuerrahmen bildet das Himmelsgewoelbe die Luft .
Bleibt noch das Scharnier welches die Naturgesetze symbolisiert
und uns erinnert die Welt nicht aus den Angeln zu heben .

Freitag, Juni 08, 2007

Alle Dialekte der deutschen Sprache blieben auf eine relativ
scharf abgegrenzte Gegend beschraenkt und entwickelten
sich bodenstaendig . Allerdings entstand ein deutscher
Dialekt, der nicht aus einem Bevoelkerungsstamm heraus-
wuchs sondern schon fruehzeitig vielen von außen kommenden
Spracheinfluessen ausgesetzt war: Die Berliner Mundart, die
eine bunte Mischung eines Schmelztiegeldialekts ist . Trotz
der Sprachvermischung ist diese Mundart nicht etwa vulgaer
oder falsches Deutsch, sondern ein sich nach besonderen
Gesetzen entwickelter Dialekt . Der Schriftsteller Willibald
Alexis uebertrieb sicherlich, als er schrieb, das Berlinische
sei ein Jargon aus verdorbenem Plattdeutsch und allem
Kehricht und Abwurf der hoeheren Gesellschaft .
Tatsaechlich ist Plattdeutsch die Basis dieser Mundart; man
sprach mehr als drei Jahrhunderte nur Niederdeutsch in
Spree-Athen . In dieser Periode entstanden Woerter wie
Neese, Schnute, Toele, groelen, kieken, buddeln, kloppen
Kuhle, Goere, wat und icke . 1434 unterbrach Kurfuerst
Friedrich II. den nach Norddeutschland orientierten Handel,
der sich daraufhin nach Leipzig wandte . Nun tauschten die
Berliner das G gegen ein J aus, und es entstand folgender
Dialog: "Wann jibts wat zu essen?" Antwort: "Jibs jibts inne
Jibsfabrik, aba ne jut jebratene Jans is ne jute Jabe Jottes."
(aus: Sprache Ausdruck des Geistes . G. Megla)